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Stimm-Sprech-Sprachdiagnostik

Sprechen und Sprachstörungen, lautliche Kommunikation des Menschen und ihre möglichen Störungen. Das Sprechen ist eine erlernte Form der Kommunikation, die den koordinierten Einsatz von Stimme, Artikulation und Sprachfähigkeit erfordert. Zwar sind viele Tiere in der Lage, ihren Artgenossen mit der Stimme einfache Mitteilungen zu machen, aber nur der Mensch kann echte Sprache hervorbringen (manche Vögel, z. B. Papageien und Beos, ahmen lediglich gesprochene Laute nach). Sprache bezeichnet im sprachwissenschaftlichen Sinn das gesamte System sprachlicher Zeichen, einschließlich Grammatik, Satzbau usw. - unter Sprechen versteht man die akustische Erzeugung von Sprache.

Stimme

Stimmgeräusche entstehen im Kehlkopf (Larynx), wenn ausströmende Luft die Stimmbänder in Schwingung versetzt. Die Stimme ist in Höhe (Stimmlage), Klangfarbe und Lautstärke sehr variabel. Die zum Sprechen am besten geeignete Stimmlage ist bei jedem Menschen anders. Die optimale Tonhöhe und das Spektrum der Tonhöhen ergeben sich im Wesentlichen aus Länge und Größe der Stimmbänder. Innerhalb dieses Bereichs lässt die Stimmlage sich durch Veränderungen von Luftdruck und Spannung der Stimmbänder variieren. Zusammen bestimmen beide Faktoren darüber, wie schnell die Stimmbänder vibrieren: Je größer die Frequenz ist, desto höher klingt die Stimme.

Ein weiterer Gesichtspunkt der Stimme ist die Resonanz. Ein Laut hallt nach seiner Entstehung in Brustkorb, Rachen und Mundhöhle, bzw. Nasenraum wider. Die Klangfarbe wird durch die Resonanz und die Art der Vibration der Stimmbänder bestimmt. Die bestimmenden Faktoren für die Lautstärke sind ebenfalls die Resonanz und die Intensität, mit der die Stimmbänder schwingen.

Artikulation

Als Artikulation bezeichnet man den Vorgang, durch den aus Stimmgeräuschen die Wörter der Sprache geformt werden. Zum Artikulationsapparat gehören Lippen, Zunge, Zähne, Kiefer und Gaumen. Die Sprache wird artikuliert, indem der stimmhafte oder stimmlose Luftstrom durch Bewegungen von Zunge, Lippen, Unterkiefer und Gaumensegel unterbrochen und geformt wird. Manche Sprachlaute bringen wir mit Hilfe der Zähne hervor.

Sprachfähigkeit und andere Faktoren

Sprache ist ein willkürliches System abstrakter Zeichen, auf das sich eine Gruppe von Menschen geeinigt hat, um Gedanken und Gefühle auszutauschen. Man unterscheidet verbale (gesprochene) und nonverbale Zeichen; zu den nonverbalen Zeichen gehören Gesten und Körperbewegungen (Gebärdensprache). Beim Sprechen bedient man sich der Artikulationsfähigkeit; beim Schreiben treten an ihre Stelle die Buchstaben. Zum Verstehen und Hervorbringen von Sprache sind sowohl die Hörfähigkeit als auch visuelle Fähigkeiten erforderlich.

Auch Sprechgeschwindigkeit und Sprechrhythmus spielen eine wichtige Rolle. Zusammenhängendes Sprechen darf weder zu schnell noch zu langsam sein, anderenfalls wird das Verständnis beeinträchtigt. Doch kann man „normales" Sprechen nicht genau definieren: Man beurteilt es im Wesentlichen danach, ob es zu Geschlecht, Größe, Alter, Persönlichkeit und Bedürfnissen der sprechenden Person zu passen scheint.

Sprachstörungen

Da das Sprechen eine erlernte Tätigkeit ist, kann man davon ausgehen, dass Beeinträchtigungen der Lernfähigkeit auch zu Sprachstörungen führen. Die häufigsten Ursachen solcher Störungen sind bestimmte Neurosen und Psychosen, geistige Behinderungen bzw. angeborene oder später entstandene Gehirnschäden. Die Artikulation kann durch körperliche Behinderungen gestört sein, z. B. durch eine Gaumenspalte, Zerebralparese („Hirnlähmung") oder Hörverlust. Auch Lähmungen von Teilen des Artikulationsapparats können zu einer Verschlechterung der Artikulation führen. Weitere Ursachen von Störungen sind die unbewusste Nachahmung schlechter Sprachvorbilder und die unzureichende Wahrnehmung akustischer Reize.

Stimmstörungen, auch Dysphonien genannt, können durch Erkrankungen oder Verletzungen des Kehlkopfes entstehen, aber auch durch körperliche Anomalien wie die unvollständige Entwicklung der Stimmbänder oder andere angeborene Stimmbanddefekte. Die häufigste Ursache ist aber die ständige Überanstrengung des Stimmapparats, entweder durch übermäßige Beanspruchung oder durch falsche Stimmproduktion: Die Folgen sind unter Umständen krankhafte Veränderungen wie Knötchen oder Verdickungen bzw. Schwellungen an den Stimmbändern.

Störungen von Sprechgeschwindigkeit und Sprechrhythmus haben in der Regel psychische oder neurologische Ursachen. Ein erwähnenswertes Beispiel für einen solchen neurologischen Defekt ist die Parkinson-Krankheit.

Sprachtherapie

Der Sprachtherapeut (Logopäde) ist dazu ausgebildet, die verschiedenen Störungen von Sprachfähigkeit, Sprechen und Stimme zu erkennen und zu behandeln. Da eine Sprachstörung ihre Ursache oft in körperlichen, neurologischen oder psychischen Störungen hat oder mit solchen Störungen im Zusammenhang steht, arbeitet der Logopäde häufig mit anderen Spezialisten zusammen, so z. B. mit Neurologen, Hals-Nasen-Ohren-Ärzten, Fachärzten für Psychiatrie, Psychologen oder Sozialarbeitern.

Sprachstörungen, die auf Erkrankungen, Verletzungen oder körperliche Fehlbildungen zurückgehen, gehören in den Zuständigkeitsbereich der Ärzte, insbesondere der Chirurgen. Sind diese Beeinträchtigungen behoben, beginnt die Arbeit des Logopäden: Er bringt dem sprachbehinderten Patienten bei, Sprache genau zu hören und zu verfolgen, in sprachlichen Begriffen zu denken und Sprechbewegungen, die durch Koordinationsmängel oder emotionale Störungen beeinträchtigt sind, besser zu kontrollieren.

Da eine Beeinträchtigung der Hörfähigkeit (Taubheit) Menschen daran hindert, Sprachmuster und Laute nachzuahmen und die eigenen Fehler zu bemerken und zu korrigieren, besteht eine der wichtigsten Diagnosemethoden des Therapeuten darin, die Hörfähigkeit zu messen. Zudem sind intellektuelle Leistungen und die Fähigkeit zum Umgang mit Sprache eng verknüpft - somit muss ein Therapeut auch wissen, wie sich die Intelligenz bei einem Kleinkind entwickelt. Die bekannteste emotional bedingte Sprachstörung ist das Stottern; seine Ursache ist oft Angst. Mit einem Sprachübungsprogramm versucht der Logopäde, diese Beeinträchtigung abzubauen. Wenn nötig, wird dabei auch ein Psychologe hinzugezogen, und in extremen Fällen müssen unter Umständen psychotherapeutische Methoden angewandt werden.

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